
Zu
meiner Schulzeit sprach man noch von der Evolutionstheorie. Heute
spricht man allgemein von der Evolution, als sei sie eine bewiesene
Tatsache. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welch einem Spott, ungläubigem
Erstaunen oder wütenden Entrüstung man sich aussetzt, wenn man
gelegentlich mal andeutet, dass man bei besagter "Theorie" keineswegs
von einer bewiesenen Tatsache ausginge.
An bestimmten Tagen, wenn ich vielleicht nicht ganz so ausgeglichen bin
wie heute, kann ich da auch schon einmal in Fahrt kommen. Für mich ist
es nämlich ziemlich(!) absurd anzunehmen, dass sozusagen aus dem Nichts
und völlig ungeplant etwas so erkennbar Geplantes wie das Leben auf der
Erde entstanden sein soll.
Ich halte es mit Aristoteles und Voltaire (zwei der größten Denker aller
Zeiten), die sich diesbezüglich etwa folgendermaßen ausgedrückt haben:
"Angesichts der erkennbaren Gesetzmäßigkeiten des Lebens ist mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es einen
Urheber dieser Gesetzmäßigkeiten geben muss."
Sie gingen also beide von einem Schöpfergott("unbewegten Beweger"
-Aristoteles) aus. Auch wenn sie nicht unbedingt an den Gott der Bibel
glaubten, und Voltaire sogar den christlichen Glauben und die
katholische Kirche ein Leben lang bekämpfte.
Ich erinnere mich an einen weißhaarigen, sehr freundlichen
Biologieprofessor aus der Schweiz, der einmal im Düsseldorfer Jesus-Haus
einen Vortrag zum Thema Schöpfung oder Evolution hielt. Zwischendrin
hielt er auf einmal inne. Und dann sagte er plötzlich: "Wenn ich mir die
majestätische Bergwelt in meiner Heimat und die herrlichen Wunderwerke
der Natur darin anschaue, wenn ich in den nächtlichen Sternenhimmel
blicke... (hier wurde er laut) ja, was für ein Eselskopf muss man denn
sein, zu glauben, dass dies alles nur rein zufällig entstanden sein
könnte!"
Ein solcher Gefühlsausbruch steht mir angesichts mangelnder
naturwissenschaftlicher Bildung natürlich nicht zu, aber der in diesem
Abschnitt geäußerter Grundgedanke scheint mir völlig logisch. Wie sollen
erkennbare Gesetzmäßigkeiten der Natur ohne eine planenden
"Gesetzgeber" entstanden sein? Eine wirklich absurde Vorstellung!
Der berühmte französische Philosoph Voltaire steckte zeitlebens in einem tiefen inneren Zwiespalt.
Einerseits erschien es ihm als völlig absurd, nicht von einem
wohlmeinenden Schöpfergott auszugehen, andererseits lehnte er den von
der katholischen Kirche behaupteten biblischen Gott kategorisch ab.
Konsequent kämpfte er in seinen Schriften gegen die Kirche und deren
Lehre ein Leben lang.
Manche mag es überraschen, dass Voltaire an einen allmächtigen Gott
geglaubt haben soll. Aber Sätze wie: Es gibt etwas , also gibt es etwas
Ewiges, denn nichts kommt aus dem nichts….die vielen gleichbleibenden
Gesetze lassen auf einen Gesetzgeber schließen“ oder „Jedes Werk, dass
Mittel und Zweck erkennen lässt kündet von einem Schöpfer. Also deutet
das Weltall … auf einen allmächtigen, allwissenden Urheber.“ erlauben
daran keinen Zweifel.
Aber nicht nur, dass er von der Existenz eines Schöpfergottes ausging.
Er meinte auch auch, dass dieser Gott verehrungswürdig sei: „Ich bin
kein Christ, aber nur deswegen nicht, um ihn, den Gott, um so mehr zu
lieben.“
Was also genau war es, was ihn am Christengott störte? Vielleicht mal
ein Zitat, um es zu verdeutlichen: „(Der Christen-Gott) erschuf die
Welt und ertränkte sie dann, nicht um ein reineres Volk hervorzubringen,
sondern um sie mit Räubern und Tyrannen zu bevölkern.“ Das bezieht sich
wohl auf den biblischen Sintflutbericht. Den Kreuzestod Jesu und die
damit verbundene Erlösungstheologie kommentierte er wie folgt: „Und
nachdem er die Väter ertränkt hatte, starb er für ihre Kinder, … und
bestrafte Hunderte für Völker für ihre Unwissenheit über den Kreuzestod,
in der er sie doch selber gehalten hat.“ Und kommt zu dem Schluss:
„Dieser Gott wäre ein Monstrum, dass wir hassen müssten.“
In den späteren Jahren scheint ihm dann aufgegangen zu sein, dass sein
von ihm geglaubter allwissender, allmächtiger Schöpfergott ja auch
streng genommen all das Elend der Welt zugelassen haben müsste. Nach
einigen fadenscheinigen Ausflüchten und Rettungsversuchen: „Sollten wir
Gott wegen eines Fieberanfalls (der Welt) leugnen“ und „Für Gott
existiert das Übel nicht, nur für uns existiert es.“ gelangte er
schließlich zu der Erkenntnis: „Ich will nicht untersuchen, ob der große
Baumeister der Welten gut ist, es reicht mir, dass es ihn gibt!“
Voltaire hätte gerne an einen guten und gerechten Schöpfergott
geglaubt, konnte es aber angesichts all des Bösen in der Welt nicht. Ein
Problem, was auch heute noch viele Menschen haben und unter der
Bezeichnung
Theodizee bekannt ist.
Ich persönlich habe kein Problem damit der Logik Voltaires bezüglich der
Existenz Gottes zu folgen. Und auch angesichts all des Bösen in der
Welt zweifele ich nicht an der Güte und Gerechtigkeit Gottes aufgrund
persönlicher Erfahrungen und Erlebnissen.
Als über Hiob alles nur erdenkliche Leid hereingebrochen war, begann er
sich zuletzt doch über Gott zu beklagen frei nach dem Motto: „Wie kannst
du jemanden Gerechten wie mich so hart bestrafen? Das ist zutiefst
ungerecht.
„Da antwortete der HERR dem Hiob aus dem Gewittersturm und sprach: Wer
verfinstert da Gottes Rat mit seinen unverständigen Reden? Gürte doch
deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich! Wo warst
du, als ich den Grund der Erde legte? Sage an, wenn du es weißt! Wer
hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über
sie ausgespannt?“ Was wohl heißen sollte: Was redest du über Dinge, von
denen du keine Ahnung hast. Die du auch nicht verstehen kannst.
In der Tat, einem Schöpfergott angesichts des Bösen in der Welt seine
Güte absprechen zu wollen, hat etwas Anmaßendes. Es würde voraussetzen,
ein umfassendes Wissen über alle Vorgänge, Hintergründe und
Zusammenhänge zu besitzen. Eine Voraussetzung, die nun mal nicht gegeben
ist. Und niemals gegeben sein wird!